Offizielle Inbetriebnahme Kläranlage Probsteierhagen
von Katharina Grimm
Neue Kläranlage Probsteierhagen offiziell in Betrieb genommen
Mit einer offiziellen Inbetriebnahme auf dem Gelände der neuen Kläranlage in Probsteierhagen haben wir am 02. Juni 2026 ein wegweisendes Infrastrukturprojekt offiziell abgeschlossen. „Mit der neuen Kläranlage Probsteierhagen zeigen wir, wie moderne Abwassertechnik, Umweltschutz und nachhaltige Energieversorgung Hand in Hand gehen können. Dieses Projekt ist ein Baustein für eine zukunftsfähige Infrastruktur in der Probstei", stellt Hanna Liedtke, unsere Geschäftsbereichsleiterin Entwässerung, dar.
Von der Übernahme zum Neubau – ein Jahrzehnt Planung und Umsetzung
Die Geschichte des Projekts reicht mehr als ein Jahrzehnt zurück: Im Jahr 2011 übernahmen wir als ZVO die damals bestehende Kläranlage von der Gemeinde Probsteierhagen sowie weitere acht Gebietskläranlagen in den umliegenden Gemeinden. Bereits damals zeichnete sich ab, dass diese Kläranlagen den langfristig steigenden Anforderungen an Gewässerschutz, Betriebssicherheit und Kapazität nicht mehr gerecht werden würden. Der ZVO entwickelte daraufhin eine übergeordnete Strategie für den Regionalbereich: Statt mehrere kleinere Kläranlagen parallel zu betreiben, sollte die Abwasserreinigung zentralisiert und modernisiert werden. Der Standort Probsteierhagen erwies sich als idealer Knotenpunkt für eine neue, leistungsfähige Zentralanlage. Die Projektleitun bei uns lag in den Händen von Frank Kolboom, der das komplexe Vorhaben über die gesamte Planungs- und Bauphase hinweg verantwortlich steuerte.
Moderne Technik für sauberes Wasser
Die neue Kläranlage wurde für rund 8.000 angeschlossene Einwohner ausgelegt – mehr als doppelt so viel wie die rund 3.000 Einwohner, die die alte Anlage versorgte. Technisch setzen wir auf ein modernes biologisches Reinigungsverfahren mit sogenannten SBR-Reaktoren (Sequenz-Batch-Reaktoren). In diesen Reaktoren wird das Abwasser in zeitlich gesteuerten, wiederkehrenden Zyklen gereinigt: Mikroorganismen bauen organische Stoffe sowie Nährstoffe wie Stickstoff und Phosphor ab – Substanzen, die Gewässer erheblich belasten würden. Ein wesentlicher Vorteil dieses Verfahrens liegt in der kompakten Bauweise: Die Anlage benötigt deutlich weniger Fläche als klassische Kläranlagen vergleichbarer Größe.
Nachhaltigkeit als Leitprinzip – Energie, Natur und Rückbau
Neben der technischen Leistungsfähigkeit legten wir von Beginn an Wert auf Nachhaltigkeit. Durch die Zentralisierung und die moderne Anlagentechnik sinkt der Energiebedarf für die Reinigung und den Transport des Schmutzwassers in der Region um rund 30 Prozent – ein Gewinn sowohl für die Umwelt als auch für die langfristige Wirtschaftlichkeit des Betriebs. Ergänzt wird dies durch eine Photovoltaikanlage, die im April 2025 auf dem Dach des neuen Betriebsgebäudes installiert wurde und einen Teil des verbleibenden Strombedarfs künftig direkt vor Ort deckt. Das Betriebsgebäude vereint Maschinenhalle und Verwaltungstrakt unter einem Dach und wurde in Massivbauweise mit besonderem Augenmerk auf Brand- und Explosionsschutz errichtet. Parallel zum Betriebsstart der neuen Anlage – die Abwasserzuführung wurde bereits im Juli 2025 von der alten auf die neue Kläranlage umgestellt – wurde die frühere Kläranlage sukzessive zurückgebaut. Die frei werdenden Flächen werden ökologisch aufgewertet: Der bisherige Ablaufteich wird naturnah zu einem Regenwasserrückhalte-Biotop umgestaltet, das direkt an das angrenzende Fauna-Flora-Habitat-Gebiet der Hagener Au angrenzt und so neuen Lebensraum für Pflanzen und Tiere schafft.
Führungen und Austausch
Unser Verbandsvorsteher Frank Spreckels eröffnete die Veranstaltung um 14:00 Uhr mit einer Begrüßung, bevor Hanna Liedtke einen kompakten Überblick über den Neubau der Anlage gab. Bürgermeisterin Angela Maaß übermittelte die Grußworte der Gemeinde Probsteierhagen und Bürgermeisterin Bettina Schäfer begrüßte die Gäste als Vorsitzende unseres Wasserwirtschaftsausschusses. Im Anschluss führten Andreas Nork, Abteilungsleiter Regionalbereich Malente und sein Stellvertreter Thorben Wodi die Gäste über das Gelände der neuen Kläranlage. Bei einem gemeinsamen Austausch konnten Eindrücke geteilt und Fragen gestellt werden.
Signalwirkung für die Region
Die neue Kläranlage Probsteierhagen steht exemplarisch für unseren Anspruch, kommunale Infrastruktur nicht nur zu erhalten, sondern zukunftssicher weiterzuentwickeln. Tiefbau, Hochbau, Maschinenbau sowie Elektro- und Automatisierungstechnik greifen bei diesem Projekt wie Zahnräder ineinander. Für die Bürgerinnen und Bürger in der Probstei bedeutet die neue Anlage mehr Sicherheit, sauberere Gewässer und eine nachhaltig aufgestellte Abwasserinfrastruktur für die kommenden Jahrzehnte.